Hilfe! Unser Baby braucht eine Brille!

Ein Erfahrungsbericht

Heute schreibe ich über eine wichtige Veränderung in unserem Familienleben – die Brille der kleinen Frau Löwe.

Wir haben schon früh vermutet, dass unsere Tochter schlecht sieht, da sie jedes Buch fast mit der Nasenspitze gelesen hat. Das fiel uns schon mit ca. einem halben Jahr auf. Allerdings war sie sonst recht geschickt und konnte auch schon mit einem Jahr gehen.

Die Augen von Mama und Oma

„Du hast ja ganz die Augen von deiner Mama!“ ist ein Satz der bei uns nicht gerade positiv besetzt ist. Denn ich habe von meiner Mutter die sehr starke Kurzsichtigkeit vererbt bekommen und nun leider auch an meine Tochter weitergegeben. Mama und ich tragen Kontaktlinsen. Die Buben in der Familie, mein Bruder und mein Sohn, kommen dabei fast unberührt davon! Wo bleibt die Gleichberechtigung ;-)?

Der Gang zum Augenarzt

Irgendwie habe ich den Termin beim Augenarzt unbewusst nach hinten verschoben. Die kleine Frau Löwe war schon ein Jahr alt und für ihr Alter ziemlich geschickt, sie lief und kletterte. Bei jedem Buch das wir lasen meldete sich die Stimme in meinem Kopf, die mich ermahnte, endlich mit ihr zum Augenarzt zu gehen. Also versuchte ich die Ärztin, die mir unser Kinderarzt empfohlen hatte zu erreichen. Erst kam ich telefonisch nicht durch, dann war ich dort, aber eine lange Schlange vor der Aufnahme, und so vergingen wieder einige Wochen. Schließlich konnte ich dann doch einen Termin ausmachen, auf den wir aber über 2 Monate warten mussten! Übrigens war das nicht nur hier bei der Kassenärztin der Fall. Bei einer privaten Augenärztin bot man mir noch später einen ersten Termin an.

Schließlich war der Tag gekommen. Unsere Tochter war mittlerweile 16 Monate alt. Es wurde der schlimmste Vormittag seit die Kleine auf der Welt ist! Vorweg muss ich sagen, dass die Ordination sehr schön und kindgerecht ist und die Ärztin und alle Assistentinnen wirklich äußerst nett und bemüht waren.

Als zwei Versuche der Assistentinnen mit den üblichen Messgeräten für Kinder ohne irgendein Ergebnis scheiterten und sie auch bei der Ärztin auf ein Buch mit Mustern und 3D Bilder null Reaktion zeigte, wurden beide Augen meiner kleinen Frau Löwe eingetropft – selbstverständlich nicht freiwillig. Nach 10 Minuten nachtropfen – wieder Gebrüll. Gummibärlis von den netten Assistentinnen halfen ein bisschen.

Furchtbar lange 10 Minuten

Dann kam die eigentliche Untersuchung. Die Ärztin musste beide Augen manuell mit einem Gerät vermessen. Das heißt, sie musste so lange in die geweitete Pupille leuchten, bis sie anhand von verschiedenen Stärkegläsern, die richtige Dioptrienanzahl feststellen konnte. Jeder der diese Untersuchungen kennt, weiß – es ist extrem unangenehm wenn Licht auf die geweitete Pupille trifft! Mein kleines Mädchen saß auf meinem Schoß, ich musste ihre Arme festhalten, während eine Assistentin hinter mir das Augenlid aufmachte. Wie soll man auch ein Kind dazu bringen in das Licht zu schauen? Sie brüllte und weinte fürchterlich und die Ärztin nahm ein Glas ums andere aus der Lade – da wusste ich Bescheid.

Das Ergebnis haute mich fast um!

Die Untersuchung dauerte wahrscheinlich um die 10 Minuten. Das zweite Auge ging dann nämlich ganz schnell, weil es gleich schlecht sieht :-(. Angefühlt hat es sich wie eine Stunde! Als es endlich vorbei war kuschelte sich meine Kleine eng an mich und in dem Moment als die Ärztin mir das katastrophale Ergebnis mitteilte hatte Frau Löwe bereits in meinen Armen eingeschlafen. Gott sei Dank! Denn so bekam sie nicht mit, dass ich in Tränen ausgebrochen bin als ich erfuhr, dass sie noch ein bisschen schlechter sieht als ich selbst. Sie hat eine zweistellige Minus-Dioptrien-Zahl.

Eine Brille muss her!

Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, versuchten Ärztin und Assistentinnen mich zu beruhigen. „Sie kriegt jetzt eine Brille und dann ist alles gut.“ Ja ok, machen wir. Meine Schuldgefühle, nicht früher zum Arzt gegangen zu sein, waren (und sind immer noch) schrecklich groß. Das Schlimmste an der Sache ist: Ich weiß was bzw. wie mein Kind die Welt ohne Brille sieht, und vor allem, was sie alles nie gesehen hat!

Wir bekamen einen Schein für die Krankenkassa und sollten uns beim Optiker vorstellen. Nachdem die Maus zuhause weiterschlief recherchierte ich alle Optiker der Stadt online und wählte den mit dem besten Angebot für Kinder aus. Noch am selben Tag fuhr ich am Nachmittag mit beiden Kids dorthin.

Beim Optiker

Wie ich erwartet hatte, war der Besuch beim Optiker am selben Tag wie der Arztbesuch, nicht optimal. Die kleine Frau Löwe weigerte sich von mir oder dem sehr freundlichen Optiker eine Brille aufsetzen zu lassen. War klar. Die Auswahl an Kinderbrillen ist sehr überschaubar, und ich hatte mich gleich für eine dezente Fassung aus biegsamem Metall entschieden. Um die Brille anpassen zu können musste sie natürlich einmal aufgesetzt werden…. Also musste ich mein kleines Kind zum zweiten Mal an diesem Tag unter Gebrüll festhalten, damit der Optiker ihr für ungefähr 3,5 Sekunden die Brille aufsetzen konnte – was mit den Kinderbügeln, die um die Ohren führen, gar nicht so leicht ist, wie man denkt!

Flexibel und Bruchsicher

Die Belastbarkeit und Flexibilität der Brille wurde auch sogleich im Geschäft getestet als sich das Kind diese von der Nase riss und auf den Boden warf! Test bestanden.

Jetzt kam das Schlimmste – für mich! Das Warten. Die Gläser aus sehr leichtem Kunststoff mussten natürlich angefertigt werden. In 5-7 Werktagen sollten sie fertig sein. Es fühlte sich für mich wie eine Ewigkeit an! Für klein Frau Löwe ging das Leben wie gewohnt weiter. Alles war wie immer.

Das Warten hat ein Ende

Nach nur 6 Tagen konnten wir die fertige Brille abholen! Wie hab ich mich gefreut! Das Aufsetzen im Geschäft klappte natürlich wieder nicht… aber egal. Ich hatte eh vor, das in Ruhe zuhause in gewohnter Umgebung zu machen. Gesagt getan. In einem ruhigen Moment als wir am Tisch saßen und sie abgelenkt war setzte ich ihr so schnell wie möglich aber ganz ruhig zum ersten Mal ihre Brille auf. Sie war ganz ruhig, schaute überrascht umher, sah ihren Bruder und lächelte. Der große Pirat ermunterte sie ganz ganz lieb dabei! Nach ca. einer Minute war es wieder vorbei – sie nahm die Brille ab. Wir versuchten es an diesem Abend noch ein paar Mal aber ohne großen Erfolg.

Wie gewöhnen wir sie an die Brille?

Am nächsten Morgen war es ähnlich. Brille kurz rauf, bissi schauen, und wieder runter. Ich machte mich auf harte Zeiten gefasst, die vor allem meiner eigenen Ungeduld geschuldet sein würden. Sie würde Zeit brauchen, schließlich war die Welt für sie bisher immer unscharf gewesen. Sie musste das neue Sehen erst erlernen.

An diesem Tag ging sie in die Kinderkrippe. Sie war gerade fertig eingewöhnt und sehr gerne dort, also übergab ich der Betreuerin die neue Brille mit der Bitte es doch ein oder zweimal zu versuchen, wenn möglich.

Freudentränen

Als ich sie zu Mittag wieder abholte traute ich meinen Augen nicht – meine kleine Frau Löwe kam mir freudestrahlend entgegen – mit ihrer neuen Brille auf der Nase! Die Betreuerinnen sagten mir, sie hätten ihr die Brille gleich nachdem ich weg war aufgesetzt, und sie hat sie nicht wieder abgenommen! Da musste ich schon wieder heulen. Aber diesmal waren es Freudentränen!

Scheinbar hat es für sie in der Kinderkrippe besser gepasst sich daran zu gewöhnen als zuhause. Jedenfalls war die Sache damit erledigt! Seitdem trägt sie ihre Brille immer! Nur in der Badewanne manchmal nicht und wenn sie müde wird am Abend nimmt sie sie oft selbst runter bevor wir schlafen gehen.

Normalität

Mittlerweile trägt sie die Brille seit 2 Monaten und wir können es uns gar nicht mehr anders vorstellen. Die Fassung hält was sie verspricht – sie ist sehr stabil und sitzt perfekt, auch beim Laufen und Raufen. Sogar die Gläser haben bisher noch keine Kratzer abbekommen. Bücher lesen macht seither noch mehr Spaß!

Selber Aufsetzen ist das nächste Ziel

Das ist unsere Geschichte zur Babybrille mit Happy End.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s